Drei Länder wollen „Lithium OPEC“ gründen – DW – 20.11.2022

Politiker in Argentinien, Bolivien und Chile, die reich an Lithiumvorkommen sind, kamen auf die Idee, eine Art Mechanismus zur Kontrolle der Lithiumexporte zu etablieren.

Es gibt geschätzte 19 Millionen Tonnen Lithiumreserven in Argentinien, 21 Millionen in Bolivien und 10 Millionen Tonnen in Chile. Auf diese drei Länder, die als das „Lithiumdreieck“ der Welt bekannt sind, folgen Australien und China in Bezug auf den Lithiumreichtum. Gleichzeitig gibt es 1,7 Millionen Tonnen Lithiumreserven in Mexiko und eine halbe Million Tonnen Lithiumreserven in Brasilien.

In den lateinamerikanischen Ländern, die das Lithium-Dreieck bilden, wird die Idee einer Art „Lithium-OPEC“ diskutiert. Diese Länder wollen die Kontrolle über die Lithiumexporte erlangen, indem sie eine Art internationale Organisation gründen, genau wie die ölexportierenden Länder. In einem Umfeld, in dem viele Autohersteller planen, in den kommenden Jahren weitgehend auf Elektromobilität umzusteigen, sind Lithiumvorkommen auf der Erde von großer Bedeutung. Das für die Batterien von Elektroautos lebensnotwendige Lithium ist auch ein wichtiger Bestandteil von Smartphones, die aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken sind.

Chile gehört zu den lithiumreichen LändernFoto: MARTIN BERNETTI/AFP

Unterschiedliche Ansätze werfen Probleme auf

Das Ziel der rohstoffreichen Länder ist klar. „Wir wollen Länder werden, die nicht nur Lithiumcarbonat exportieren, sondern auch Batterien produzieren“, sagte Daniel Filmus, Argentiniens Minister für Technologie, Wissenschaft und Innovation, vor einigen Wochen. Filmus sagte, dass dazu eine Politik umgesetzt werden muss, die internationale Zusammenarbeit vorsieht.

Die Situation sei in “Argentinien, Bolivien und Chile” jeweils unterschiedlich, sagte Miguel J. Mitre, Geschäftsführer des argentinischen Lithium-Unternehmens Ligreen SA, gegenüber der DW. In Bolivien kommt die finanzielle Unterstützung vom Staat, in Chile gibt es eine Mischung und in Argentinien ist es die Privatwirtschaft.“ Daher betont Mitre, dass es unterschiedliche wirtschaftspolitische Ansätze hinsichtlich der Finanzierungsunterstützung der Lithiumproduktion gibt.

Kein gemeinsames Marktziel

Martin Kazimierski DE von der Universität Buenos Aires berichtet, dass Lithium sowohl in Bolivien als auch in Chile vom Staat als „strategische Ressource“ definiert wird. In diesem Rahmen hat der Staat die volle Verfügungsgewalt über den betreffenden Rohstoff. In Argentinien hingegen herrscht ein föderaleres System vor. “In Argentinien verhandeln Staaten direkt mit Unternehmen”, sagt Kazimierski der DW.

Darüber hinaus spielen auch die unterschiedlichen Charakteristika der Märkte in den Ländern eine wichtige Rolle. Im Gegensatz zu Öl gibt es für Lithium noch keinen internationalen Referenzpreis. Auch in einigen anderen Teilen der Welt gibt es große Lithiumreserven. Wenn daher eine OPEC-ähnliche Organisation in lateinamerikanischen Ländern gegründet wird, können neue Organisationen entstehen, die mit ihnen in verschiedenen Teilen der Welt konkurrieren.

Gemeinsame Projektanforderung

Bevor jedoch eine mögliche Partnerorganisation gegründet werden kann, muss Argentinien zunächst Lithium als strategische Ressource deklarieren. Kazimierski hält dies jedoch für unwahrscheinlich, da dies zu Konflikten zwischen den Machtzentren verschiedener Staaten führen könnte. Kazimierski wertet: „Es muss ein gemeinsames Projekt zwischen diesen drei Ländern vereinbart werden, die bisher widersprüchliche Modelle umgesetzt haben.“

Andererseits können auch verschiedene historisch-politische Konflikte in der Region ein Problem für die Verwirklichung der genannten Idee darstellen. Beispielsweise beansprucht Bolivien Land im Norden Chiles.

Gleichzeitig ist eine mögliche technologische Entwicklung, die den Lithiumgehalt in Batterien mittelfristig reduzieren wird, ein weiteres Hindernis für den „Lithium-OPEC“-Plan. Technologien wie zum Beispiel die Brennstoffzelle zielen darauf ab, elektrische Batterien in Zukunft vor allem in schweren Fahrzeugen zu ersetzen.

Argentinien will auch bei Lithium Weltmarktführer werden
Argentinien will auch bei Lithium Weltmarktführer werdenFoto: Xeniya Ragozina/PantherMedia/IMAGO

Unternehmen wollen schnell handeln

Miguel J. Mitre betont vor allem, dass es ein begrenztes Zeitfenster gibt, um das Potenzial in diesen Ländern gewinnbringend auszuschöpfen. Mitre merkt an, dass die Staaten so schnell wie möglich handeln sollten, und kommt zu der Einschätzung, dass “das Potenzial bisher nicht effizient genutzt wurde”.

Die bolivianische Regierung, die mit verschiedenen Problemen in der Innenpolitik zu kämpfen hat, hinkt dem Zeitplan ein wenig hinterher. Präsident Luis Arce, der Erklärungen abgab, während er mit dem Bau einer Autobahn begann, präzisierte die Lithiumpolitik seiner Regierung. Arce sagte: „Wir wollen nicht nur Rohstoffe verkaufen, wir wollen fertige Produkte produzieren und in die ganze Welt exportieren“, und versprach, dass sie diesbezüglich in naher Zukunft positive Schritte unternehmen werden:

“Die Industrialisierung von Lithium wird allmählich zur Wahrheit.”

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